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Tartans: Die Frage der Schottenkaros
Über die typischen Schottenkaros könnte man seitenlange
Abhandlungen schreiben- hier in aller Kürze das Wichtigste: Beliebte Farben waren Blau, Grün, Rot und Braun als
Grundfarben für die Wollstoffe. Dahinein wurden dann Karos gewebt, die
ineinander übergehen bzw. sich überlagern. Das typische "Schottenkaro", der sog. "tartan" ist eine
doppelt symetrische Karo- Art, bei der um 90? gedreht dasselbe Muster wie in
Grundstellung erscheint (sog. "Blockkaro"). Dies wird erreicht, indem der Schuß-
und der Kettfaden identisch sind. Zudem wird tartan in der sog.
Köperbindung gewebt, d. h. die Schußfäden verlaufen über und unter von jeweils
zwei Kettfäden. Aus dieser Webart resultieren die typischen Schräglinien im
tartan- Muster. Die verwendeten Muster wurden aus einzelnen Wollfäden
unterschiedlicher Färbung auf einen Stock gewickelt und waren so immer wieder
für den Weber reproduzierbar. Tartan leitet sich aller Wahrscheinlichkeit vom französischen
Wort "tartaine" ab, welches zunächst eine bestimmte Stoffart, jedoch kein
bestimmtes Muster oder eine Farbe bezeichnete. Das gälische wort für tartan
ist "breacan", was etwa "teilweise farbig" oder "gesprenkelt" bedeutet
(Vergleiche hierzu die Beschreibung der "Redshanks" in Irland 1594). Seinen
Ursprung dürfrte der tartan wohl in der keltischen Frühzeit Schottland
haben, da eine Vorliebe der Kelten für grelle Farben und gemusterte, d. h.
gestreifte oder karierte Stoffe bekannt ist. Schriftliche Quellen belegen die
Verwendung von tartans in Schottland bereits für das Jahr 1440. Wie sieht es nun aber mit den bekannten Clan Tartans aus?
Bekannt ist, daß in bestimmten Gebieten der Highlands und der
schottischen Inseln von jeher bestimmte Farben und Muster bevorzugt wurden.
Diese sog. "district tartans" dienten aber nicht nur einem Clan als
Erkennungszeichen, waren also keine Familien (Clan)- tartans im
heutigen Sinne. Bedenkt man die dauernden Clanfehden und den permanenten
Zustand der Feindseligkeit im Schottland des 17. und 18. Jahrhunderts, so wäre
ein erkennbarer Clan- tartan auch eine reale Gefahr für seinen Träger
außerhalb seines heimatlichen Territoriums gewesen. Zudem hätten zeitgenössische
Schlachtberichte sicher Referenzen dafür geliefert, daß Clanmitglieder von
Fremden an ihrem tartan zu unterscheiden gewesen waren. Solche Berichte
finden sich jedoch nicht- das Gegenteil ist der Fall: In der "Compleat History of the Rebellion" von 1749 beschreibt
der Autor James Ray, wie er bei der Flucht der Rebellen einen jungen Highlander
erreichte, der schrie: "Haltet ein- Ich bin ein Campell!". Daraufhin wurde er
gefragt: "Wo ist Dein bonnet?", worauf er entgegenete, daß es ihm
jemand vom Kopf geschlagen hätte. Der Autor schrieb dies nieder, um zu zeigen,
wie damals die loyalen Clans von den Rebellen unterschieden wurden: Die Clans,
die loyal zur Krone standen, hatten ein rotes oder gelbes Kreuz / Band/ Kokarde
an ihrem Bonnet, die Rebellen trugen solche in weiß. Ansonsten unterschieden
sich die Loyalisten weder in der Bekleidung, noch der Ausrüstung von den
Rebellen. Dies zeigt zum einen sehr deutlich, daß spezielle Clans-
tartans noch nicht existierten, ansonsten hätte der Highlander sicher den
Campell- tartan getragen und wäre an diesem erkennbar gewesen, zum
anderen, daß als Erkennungszeichen bestimmte farbige Bänder am Bonnet getragen
wurden. Nachgewiesen ist auch die Verwendung von Pflanzenteilen (Blätter,
Zweige, Blüten) als Erkennungszeichen am Bonnet. Belegt ist z. B. für den Clan
McDonald die Verwendung von Heidekraut als Erkennungszeichen. Das bekannte Gemälde "The Battle of Culloden" 1745 von David
Morier zeigt Highlander im tartan beim Angriff. Der Künstler nutzte für
das Gemälde gefangene Rebellen als Modelle, trotzdem korrespondiert keiner der
dargestellten tartans mit heutigen "Clan tatans". In Castle
Grant, Stammburg des Clans Grant sind verschiedene Portraits zu sehen, bei denen
die dargestellten tartans jeweils nur einmal abgebildet sind und zudem
keine Beziehung zu dem modernen Grant- tartan aufweisen. Portraits des
Clans McDonald im Zeitraum 1740 bis 1760, welche die selbe Person in
verschiedenen Altersstufen darstellen, zeigen auf einem Bild nicht weniger als
drei verschiedene rote tartans und auf einem anderen Bild einen grünen
tartan, wobei keiner der dargestellten tartans Ähnlichkeiten
mit dem modernen McDonald- tartan aufweist. Der Lord Lyon King of Arms (höchster Wächter über die
schottischen Wappen), Sir Francis J. Grant beschrieb 1948 die Entwicklung von
tartans für viele Namen als "humbug". Tatsächlich hat die Entstehung der heutigen Clan- tartans
einen ganz profanen Hintergrund: Anfang des 19. Jahrhunderts machte Sir Walter Scott mit seinen
Hochland- Novellen Furore, es kam zu einer wahren Schottland- Hysterie. Der
schottische Adel, der bisher alles getan hatte, um möglichst anglisiert und
zivilisiert zu wirken, besann sich plötzlich auf seine archaischen Wurzeln.
Anläßlich einer Schottlandreise des englischen Königs 1822 erschien dieser in
Hochlandtracht in Hollyrood House. Natürlich ließ es sich der Adel Schottlands
nicht nehmen, es dem König gleichzutun. Die Lairds trachteten dabei danach, ihre
alten Familien durch möglichst ebenso alte Familien- Muster zu unterscheiden-
eben die Clan tartans. Wo eine entsprechende tartan-
Tradition nicht belegbar war, z. B. weil eine solche nie nachgewiesen oder in
Vergessenheit geraten war, wurde sie einfach erfunden. Viele der modernen
Clan tartans gehen auf dieses Ereignis zurück. Im Jahre 1842 erschien das "Vestiarium Scoticum" eine Sammlung
von über 70 tartans, die es angeblich bereits 300 Jahre zuvor gegeben
haben sollte. Autoren waren die Brüder Sobieskie Wolfrit Stuart, welche bereits
1819 allgemein als tartan- Experten galten. Die Darlegungen des "Vestiarium
Scoticum" konnten nie bewiesen werden, wurden aber gleichwohl allgemein
anerkannt. Die ausufernde Schottlandbegeisterung unter Königin Victoria ließ
kritische Stimmen hierzu erst gar nicht aufkommen und die Clan
tartans entwickelten sich zum Selbstläufer mit eigenen Mythen. Völlig anders verlief die Entwicklung des militärischen
tartan. General Wade stellte 1725 sechs unabhängige Kompanien aus
königstreuen Highlandern auf, die Polizeifunktionen in den Highlands übernehmen
sollten. Die Soldaten dieser Truppe waren in Hochlandmanier gekleidet und
bewaffnet. U. a. trugen die Soldaten einen einheitlichen grün/ schwarz/ blau
gemusterten belted plaid, der ihnen schließlich ihren Namen einbringen
sollte: "Black Watch". Ursprünglich als Bezeichnung für die Truppe gebraucht,
ging der Name auch auf den tartan über und definierte das sog.
"Government set", also einen tartan, der keinem Clan oder einer Region
zuordenbar war. Dieser "Black Watch"- tartan ist die Keimzelle für die
meisten der Militär- tartans der britischen Hochlandregimenter und
zudem der erste nachgewiesene und registrierte tartan, der mit einem
Namen identifiziert wurde. Auch der hier als Hintergrund verwendete "MacKay"- tartan
basiert auf dem "Black Watch"- Set, da der Clan Mackay es als Tradition
betrachtete, seine Loyalität dem jeweils regierenden König zu schenken. |